Das Gehirn runterfahren
Hier geht es weiter mit Teil 2 meines letzten Audio-Blogposts. Während ich in Teil 1 (klicke hier für Teil 1) noch viel über Brainfog, PET-Scans und mentale Erschöpfung gesprochen habe, wurde dieser Teil irgendwie praktischer. Es geht um Einkaufslisten, Perfektionismus, mein kleines Supermarkt-Experiment und eine Erkenntnis...
Das Supermarkt-Experiment
Ich bin so schläfrig
Ach du meine Güte, hab ich da durcheinander gesprochen. Es ist jetzt Abend und ich fühle mich ein klein wenig energischer. Ich hab wirklich sehr viel auf der Couch geschlafen heute Nachmittag. Gedöst, eingepennt, wieder aufgewacht und immer wieder eingepennt.
Was ich eigentlich vergessen hatte zu erwähnen in meiner ersten Audio war, dass ich so ein bisschen auf den Trichter gekommen bin, dass ich vielleicht einfach zu viel denke. Also zu kontrolliert denke. Denn diese Forscherin auf der Konferenz hatte nicht nur den Körper beziehungsweise den Thorax angeguckt, sondern auch Gehirne. Und bei ME/CFS-Betroffenen ist da eben auch sehr viel los.
Es geht mir körperlich fast jeden Tag schlechter
Und irgendwie, zusammen mit dem Beobachten von mir selbst die letzten Tage, kam ich deshalb auf die Idee: Vielleicht musst du wirklich das, was du mit deinem Gehirn machst, runterfahren die nächsten Wochen, damit dein Körper überhaupt wieder Catch-up spielen kann. Damit er wieder mitziehen kann. Denn komischerweise scheint es mir körperlich fast jeden Tag schlechter zu gehen.
Ich hatte ja die ganze Zeit ausführlich über meinen Spaziergang im Park und den Supermarkt erzählt. Und der Grund dafür war eigentlich: Als ich rausging, dachte ich plötzlich: „Lou, jetzt machst du ein kleines Experiment.“
Auch das Reden macht mich müde
Denn normalerweise, vor allem wenn ich für ein paar Tage einkaufe, setze ich mich hin, öffne eine meiner Apps und schaue mir eine lange Liste mit Mahlzeiten an, die wir in den letzten Jahren gegessen haben. Dann versuche ich mir ganz genau auszusuchen, was ich einkaufen muss.
Und ich merke gerade schon wieder, wie die Energie beim Reden stirbt. Ich merke das auch an meiner heiseren Stimme. Ein Zeichen vom Übermüdetsein.
Aber egal.
Organisiertes Denken nicht erzwingen
Normalerweise mache ich mir sehr gewissenhafte Gedanken darüber, was ich genau einkaufen muss für welche Mahlzeiten, damit ja kein Geld verschwendet wird. Und heute dachte ich: „Nein. Du bist zu müde.“
Und dann dachte ich: „Du gehst jetzt raus und du wirst dich jetzt nicht forcieren, eine Liste zu schreiben. Du wirst dich nicht zwingen, deine Mahlzeitenlisten anzugucken.“ Du gehst einfach in den Supermarkt. Nach so vielen Jahren müsstest du eigentlich ungefähr wissen, was du normalerweise anschaust und was du dir normalerweise nimmst.
Und ich dachte: „Lou, du machst jetzt ein Experiment, wo du einfach mal nicht so penibel bist. Nicht so perfektionistisch planst und kontrollierst.“ Du gehst einfach locker in den Supermarkt hinein und nimmst einfach Sachen mit, die du magst und die in deinen Trolley passen. Und es wird schon nichts Schlimmes passieren. Du wirst sicherlich irgendwie alles kombinieren können. Vielleicht kommst du sogar auf Ideen, was du für Mahlzeiten kochen kannst.
Meine zwei Glühbirnenmomente
Und ich hatte heute tatsächlich zwei kleine Glühbirnenmomente.
Der erste war die Sache mit der Bank an der Bahnhaltestelle. Dass ich plötzlich dachte: „Moment mal, da stehen doch Sitzbänke.“ Und ich fragte mich wirklich, warum ich da nie früher dran gedacht hatte.
Und der zweite Glühbirnenmoment kam dann im Supermarkt. Zum Beispiel sah ich Chicorée und dachte: „Das mit Kochschinken wäre doch eine feine Sache. Und Hollandaise-Soße.“
Chatty, mein ChatGPT, hilft beim Einkauf
Und dann dachte ich: „Wirst du dich später überhaupt noch daran erinnern, Kochschinken zu kaufen?“ Realistisch gesehen: nein. 😄
Und dann dachte ich: „Ich Heini, ich rede einfach in Chatty hinein und sage ihm: Schreib mal Kochschinken auf.“ Damit ich später, wenn ich meine kleine Runde durch den Supermarkt gemacht habe, bestimmte Sachen nicht vergesse einzukaufen.
Und das hat wunderbar geklappt. Es war eigentlich total entspannt und schön. Mit Chatty-Hilfe hab ich genug eingekauft und nachher hat alles perfekt bis oben hin in den Trolley gepasst. Ich war richtig glücklich.
Der Moment mit der Erinnerung
Ich hatte allerdings einen ganz kurzen Moment im Supermarkt, wo ich fast geheult hätte. Total idiotisch eigentlich.
Mein Handy machte plötzlich „Ping“ und meine Erinnerungs-App ploppte auf. Da stand: „Liegendemo 13:00 Uhr.“
Und ich weiß nicht mal, warum die Erinnerung genau um 13 Uhr losging.
Und plötzlich dachte ich: „Nein 😫. Ich will eigentlich dabei sein.“
Kurz vorm Weinen
Und dann wollte ich schon fast losheulen mitten im Supermarkt. Aber ich dachte: „Reiß dich zusammen.“ Sonst denken die Leute noch, irgendwas Schlimmes sei passiert und dann musst du erklären, dass du einfach traurig bist, weil du es nicht auf eine Demo geschafft hast.
Also hab ich mich zusammengerissen. Aber ja. Das hat mich schon getroffen.
Ich merke, wie oft ich mich selber pushe
Meine Halsmuskeln sind müde
Ansonsten war der Einkauf wirklich ein voller Erfolg. Mit Chatty's Hilfe. 😄
Und ich merke gerade wieder, wie ich komplett abschmiere. Ich kann kaum reden. Mein Hals fühlt sich so müde an. Meine Halsmuskeln. Boah, ich fühle mich so müde.
Ich sitze gerade auf der Couch und tue jetzt erstmal die Beine hoch.
Aber ich glaube wirklich, dass ich die nächsten Tage oder vielleicht sogar Wochen versuchen werde, das durchzuziehen: Sobald ich merke, dass ich versuche, irgendetwas mit Denken „durchzuboxen“, werde ich versuchen zu stoppen.
Ein spannendes Buch übermüdet schon
Egal ob ich irgendwas im Internet recherchiere, ein Buch lese, unbedingt im Familienchat auf WhatsApp mithalten will oder Einkaufslisten schreibe oder versuche, mich an Dinge zu erinnern. Dann werde ich versuchen zu sagen: „Stopp. Dein Leben wird nicht auseinanderfallen, nur weil du jetzt mal Piano machst.“
Denn ich merke jetzt erst, wie oft ich mich selber pushe. Zum Beispiel bei einem Blogpost: „Komm, nur noch eine halbe Stunde.“ „Das schaffst du noch.“ Natürlich schaffe ich das irgendwie. Aber mir war nicht bewusst, wie viel mentale Energie mir das nimmt. Und wie viel körperliche Energie mir das nimmt.
Oder bei einem Buch: „Nur noch ein bisschen.“ „Es ist so spannend.“ Ja. Aber allein diese Spannung übermüdet mich schon. Und ich glaube, das merke ich jetzt erst richtig. Das ist schon verrückt.
Morgen ist auch noch ein Tag
Bevor ich gerade wieder mein Handy in die Hand genommen habe, um diese zweite Audio fertigzukriegen, war ich eigentlich dabei, eine Liste mit Vitaminen und Mineralien aufzuschreiben, die mir vielleicht guttun könnten. Und ich hab ein bisschen im Internet dazu gelesen.
Und ich hab gemerkt, wie schnell ich wieder müde wurde. Und diesmal hab ich es einfach aus der Hand gelegt.
Weil morgen auch noch ein Tag ist.
Morgen kann ich die Liste ergänzen oder weiterführen, statt das wieder durchzuboxen.
Ich werde berichten, wie das läuft.
Entweder ruh ich mich jetzt einfach aus oder ich versuche später noch die Audio online auf meinen Blog zu setzen. Oder ich mache es morgen in aller Ruhe.
Sally und ihr „eigener“ Sessel
Okay, ciao Kakao 😄
Deine Lou und deine Sally
P.S. Sally sitzt übrigens mal wieder ganz bequem in „ihrem“ Sessel. Es ist natürlich eigentlich gar nicht ihr Sessel, aber man würde wirklich denken, es wäre ihrer. Und damit der arme Sessel nicht komplett voller kurzer Haare ist, decken wir ihn seit ungefähr einem halben Jahr mit einer billigen Decke ab.
Denn meine Güte, haart die Sally.
Okay, dann tschüssi, bis zum nächsten Mal!
Ciao Kakao
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